Hermetic Order of the Golden Dawn in Britain
 
     


Ein Vortrag über die frühere Ges chichte der Goldenen Dämmerung
von s.g.* Frater Sapere Aude
(Dr. William Wynn Westcott)

 

Der Orden der G.D. im Äußeren ist eine hermetische Gesellschaft, deren Mitglieder in den Prinzipien der okkulten Wissenschaft und der Magie von Hermes unterwiesen werden. Während der früheren Hälfte des 19. Jahrhunderts verstarben einige der Adepti und Chefs dieses Ordens in Frankreich und England und ihre Ableben verursachte ein vorübergehendes Aussetzen der Tempelarbeiten. Prominent unter diesen waren Eliphas Levi, Ragon, Kenneth R. H. Mackenzie, Autor der freimaurerischen Enzyklopedie und Frederick Hockley, der die Kristallsicht hatte und dessen Manuskipte wir hoch schätzten. Diese und andere Adepti erhielten ihr Wissen und ihre Kräfte von Vorgängern von größeren Bedeutung und haben uns diese Glaubenslehre und System der Theosophie und hermetischen Wissenschaft der höheren Alchemie von einer Serie der praktischen Untersuchungen, deren Ursprung auf die Fratres Rosae Crucis von Deutschland zurück verfolgt wird, welche Gesellschaft ca. 1398 durch Christian Rosenkreuz gegründet wurde.

Er und der Theologe, Valentin Andreä, haben uns in den um 1614 veröffentlichen Werken einen Bericht über die exoterische Maßnahmen der Rosenkreuzer Gesellschaft hinterlassen. Es ist wahrscheinlich, dass es Andreä gewesen ist, der das Fama Fraternitatis , oder Theorie der Gesellschaft 1614 veröffentlichte, die wohl von den alten Aufzeichnungen der Schüler des Christian Rosenkreuz abstammt. Jedoch war selbst dieser Ankunft des Mystizismus eine neue Entwicklung der ältere Weisheit der kabbalistischen Rabbis und von jenem sehr alten Geheimwissen der Magie der Ägypter, in die Moses initiiert wurde. Durch die Kabbalah, in der Tat, erhielt Europa mehr der alten Weisheit als von jeder anderen Quelle, weil die Hebräer zu einer Zeit durch die Ägypter unterwiesen wurden und später durch die Chaldäer von Babylon.

Es ist eine seltsame Tatsache, dass die klassischen Nationen, die Griechen und Römer, an uns lediglich flüchtige Blicke der alten Magie weitergegeben haben, was noch merkwürdiger ist, weil die Griechen die Herrschaft über Ägypten erlangten und das römische Imperium zur Herrschaft sowohl der Griechen als auch der Hebräer kam. Griechenland hat es tatsächlich fertiggebracht, an den Mysterien der Ägypter teilzuhaben, weil die Eleusinischen Mysterien Kopien der altertümlichen Zeremonien von Isis, Osiris und Serapis gewesen sind, jedoch fehlt ihnen die wahre Magie. Des weiteren enthalten die klassischen Schriften nur undeutliche Blicke von selbst den Eleusinischen Mysterien, was beweist, dass die Studenten teilweise in Unkenntnis der echten Mysterien gewesen sind. Als nennenswertes Beispiel hiervon dient die Anwendung der Wörter Konx Om Pax , von denen sie die Bedeutung nicht kannten, weil die Wörter die Nachahmung von wirklich antiken ägyptischen Wörter waren, deren Bedeutung seit Jahrhunderten streng geheim gehalten wurde. Aus diesem Grund besitzt der Grad 0=0 ägyptische Charakteristika und Symbolismus. Die höheren Grade werden die Quellen von einem Großteil der Kultur offenbaren und die Sprache des Eliphas Levi erläutern, durch dessen Adeptheit die Studie des Okkultismus populär geworden ist.

Der erste Orden ist eine Gruppe von vier Graden, der Neophyten beitreten dürfen nachdem sie von den h.g.* Chefs genehmigt wurden und sie unter Beweis gestellt haben, dass sie ausreichende Eignung und Wissen besitzen. Jenseits des oben stehenden, gibt es drei Grade der Adepti, welche den zweiten Orden bilden. Die Adepti haben die Macht, Kandidaten auszuwählen, welche in die niedrigere Grade initiiert werden und ihre Chefs haben zusätzlich die Befugnis, Verbriefungen von Tempeln auszustellen wie z.B. die vom Tempel Isis Urania . Aber die Höchste von allen in diesem altertümlichen Schema sind die großen Herrscher des ganzen Systems, die jeweils den dritten Orden tragen und führen, der drei magischen Titel der Ehre und Vormacht beinhaltet. Diese stehen für die überirdische Triade der Sephiroth und sind verschleiert und unnahbar für die Weltlichen und für alle außer den Chefadepti. Falls eine Stelle in diesem Orden frei wird, erhält der gelehrteste Chefadept durch Dekret den wohlverdienten Zuschlag.

Das Schema der G.D. ist dann geformt nach der Art der Dekad der Sephiroth, die zehn Emanationen der Gottheit wie in der Kabbalah dargestellt, deren Anhänger durch die höhere Magie der antiken Welt erleuchtet waren. Die Grade des ersten Ordens stellen sich als Hebräisch in der Konzeption und Tendenz heraus und, insofern als der Zufluß der Zeit die Offenbarung des Christos einleitete, sind Tiphareth , die Schönheit des Microprosopos und christliche Konzeptionen in den höheren Graden reflektiert.

Der Grad des Neophyten und die 1., 2., 3. und 4. Grade, welche dieser Tempel der Isis-Urania autorisiert ist zu verleihen nach entsprechender Prüfung und Genehmigung, besitzen Rituale und Geheimnisse welche von den h.g.* Chefadepti erhalten wurden und diese sind uns an die Hand gegeben zur Unterweisung der Schüler in die altertümlichen Methoden dieses Ordens. Dieser Tempel (Isis Urania) wurde geweiht als Nachfolger von Hermanubis #2, welcher nach dem Tode seiner Chefs aufhörte zu existieren.

Der Tempel #1 von Licht, Liebe, Leben ist eine Gruppe kontinentaler Mystiker, die es nicht gewohnt sind, Zeremonien in der offenen Loge durchzuführen, sondern welche die Grade meistens im kleinen Rahmen bei Anwesenheit von zwei oder drei Mitgliedern verleihen und es gibt aus diesem Grund keine genauen Aufzeichnungen über die Namen und Rang von allen dieser Mitglieder. Kurz nach der Gründung des Tempels #3 wurde Erlaubnis zur Weihung des Osiris- Tempels #4 in Weston-Super-Mare unter Führung von s.g.* Frater „Crux dat Salubrem“ erteilt und der westliche Teil Englands wurde ihm als Provinz zugeteilt. Fast gleichzeitig wurde den Tempel Horus #5 unter Führung von s.g.* Frater „Vote Vita Mea“ ebenfalls geweiht in Bradford in der Grafschaft Yorkshire. Diese drei Tempel haben auch Mitglieder in den Vereinigten Staaten, Hindustan, Palästina, Dänemark, usw.

Der Name des Ordens ist in verschiedenen Sprachen: auf Hebräisch: Gesellschaft des scheinende Licht des Morgens (Chabrath (oder Chaorah) Zoreh Aour Bakker), was soviel bedeutet wie die Gesellschaft des scheinende Lichtes der Morgendämmerung. Auf Lateinisch: Aurora. Auf Englisch: The Golden Dawn. Auf Deutsch: Die Goldene Dämmerung. Auf Französisch: L'Aube Dorée.

An dieser Stelle könnte man sich auf die Gesellschaft, die durch Robert Wentworth Little, ein Student der Mysterien, wieder aufgebaut wurde, beziehen. Diese Gesellschaft, welche Niederlassungen in England, Schottland und den Vereinigten Staaten besitzt, ist mit der G.D. verbündet. Sie setzte eine Art der Rosenkreuzerinitiierung fort, welche vor 100 Jahren in England verliehen wurde und im Buch von Godfrey Higgins, Das Anakalyps, ein Versuch den Schleier der Saitischen Isis zu entfernen ( The Anacalypsis, an Attempt to Withdraw the Veil of the Saitic Isis ) Erwähnung fand. Frater Little ist ein Student der Schule Levis gewesen und war ebenfalls ein prominenter Freimaurer. Die Rosenkreuzergesellschaft wie er sie revidierte, war durch Vorsatz und Genehmigung essentiell freimaurerisch, und trennt damit allen Verbindungen zu Adepti, welche nicht Freimaurer gewesen sind, wie z.B. Basil Valentine, Artephus, Nicolas Flamel, Jacob Boehme und Robert Fludd . Die Rosenkreuzergesellschaft versäumt auf gleicher Weise den Wert von esoterischen Recherchen durch Frauen anzuerkennen. Diese ist auch eine Innovation der Schemata der antiken Mysterien, in vielen von welchen, namentlich die der Isispriestessinnen und jungfräulichen Wahrsagerinnen, Frauen prominente Figuren gewesen sind.

Nehmen Sie spezifisch zur Kenntnis, dass es zahlreiche Beispiele in den alten Manuskripten unseres Ordens gibt, welche in Chiffre geschrieben sind und bei welchen Bezug genommen wird auf die Fratres und Sorores. Die Wörte „sie oder ihm“ belegen, dass in alten Zeiten, wie heutzutage, Frauen hohe Ämter bekleideten und weit in das geheime Wissen unseres Ordens eindrangen. Erwähnenswert sind hier Pernelle, die Ehefrau und Mitarbeiterin von Nicolas Flamel, Martine Berthereau, die Gefährtin von Baron Jean de Chatelet der ca. 1645 verstarb und die Witwe, die er später als Sophia (himmlische Weisheit) symbolisierte, Mitstudentin und Inspirationsquelle von John Georg Gichtel, der ca. 1700 starb. Die Okkultisten von heute brauchen nicht an die großen Hermetikerinnen und Theosophinnen der jüngeren Zeiten erinnert zu werden: an Frau Dr. Anna Kingsford, die in der Tat von der Sonne des Lichtes erleuchtet gewesen ist; an Madame Blavatsky, Führerin der Theosophischen Gesellschaft. Kein Student des Okkults, wie weit auch immer sein gewählte Pfad zur Weisheit entfernt sein mag, könnte versäumen zu erkennen, dass sie eine Vordenkerin in Gestalt einer Frau gewesen ist.

Ich kann es nicht versäumen, die Trauer, die dem Tod von Herrn Dr. William Robert Woodman folgte, zum Ausdruck zu bringen, der für viele Jahre bekannt gewesen ist als der oberste Magus der Rosenkreuzer Gesellschaft in Anglia (SRIA), die exoterisch bei ihrer äußeren Graden ist, jedoch deren Angelegenheiten durch einem inneren Kreis von Adepti gelenkt werden, welche immer noch die Geheimnisse der R.:. C.:. und seine freimaurerische Gesellschaft bewahren. Die östliche Schule der Theosophie und Okkultismus und unsere eigen hermetische Gesellschaft der G.D. sind Brüderschaften von Studenten, dessen Vorgänger sicherlich aus dem gleichen Stamm von Magier hervorkamen, wie die wissenschaftlichen Priester einer fernen Vergangenheit. Die zwei Gesellschaften, verschieden in ihrer Art zu Lehren und in ihrer Sprache, sind verbündet durch gegenseitiges Verständnis und Respekt, außerdem haben sie ähnliche Ziele. Sei beruhigt, dass der Orden der G.D. den Weg zu viel Geheimwissen und spirituellem Fortschritt bereiten kann und treue und geduldige Studenten welche „Wollen“, „Wagen“, „Lernen“ und „Schweigen“ können, zum Summum Bonum führen wird, zur wahren Weisheit und perfekten Glückseligkeit.

* Anmerkung der Übersetzerin:
Die Kürzel „s.g.“ (sehr geehrte/r) und „h.g.“ (hoch geehrte/r) werden üblicherweise der Bezeichnung „Frater“ (Bruder) bzw. „Soror“ (Schwester) als Gradanerkennung genannt, um die Leistungen zu würdigen, die zu deren Erlangung notwendig sind.

 

 

 

 

   
 
TOP